WordPress oder Shopify: Diese Frage stellt sich fast jedes Unternehmen, das eine neue Website oder einen Online-Shop plant. Beide Plattformen sind ausgereift, beide haben riesige Communities, und beide können dein Projekt tragen. Trotzdem ist die Wahl selten egal, denn die beiden Systeme sind für unterschiedliche Aufgaben gebaut.
Bei dato.marketing setzen wir beide Plattformen ein, je nach Projekt. In mehr als 46 Projekten haben wir dabei eines gelernt: Die Plattform-Entscheidung ist keine Technikfrage, sondern eine Geschäftsfrage. In diesem Artikel bekommst du die Kriterien, die wirklich zählen, und eine klare Empfehlung für typische Fälle.
Wofür WordPress gebaut ist
WordPress ist das meistgenutzte Content-Management-System der Welt und betreibt einen erheblichen Teil aller Websites. Seine Stärke sind Inhalte: Unternehmensseiten, Blogs, Landingpages, Portfolios. Wer regelmäßig Artikel veröffentlicht, Leistungsseiten pflegt oder über Inhalte gefunden werden will, findet hier das flexibelste Werkzeug.
Definition: Ein Content-Management-System (CMS) ist eine Software, mit der du Inhalte einer Website erstellst, bearbeitest und veröffentlichst, ohne dafür programmieren zu müssen.
Mit der Erweiterung WooCommerce wird WordPress auch zum Shopsystem. Der große Vorteil: Dir gehört alles. Du wählst Hosting, Design und Funktionen frei und bist an keinen Anbieter gebunden. Der Preis dafür ist Verantwortung: Updates, Sicherheit und Backups liegen bei dir oder deiner Agentur.
Wofür Shopify gebaut ist
Shopify ist kein klassisches CMS, sondern ein Shopsystem aus einem Guss. Produktverwaltung, Warenkorb, Checkout, Zahlungsarten, Versandlogik: Alles ist auf einen einzigen Zweck ausgelegt, nämlich verkaufen. Hosting, Sicherheit und technische Updates übernimmt Shopify komplett, du kümmerst dich um Produkte und Marketing.
Dafür zahlst du eine monatliche Gebühr plus Transaktionskosten und akzeptierst die Grenzen des Systems. Tiefe Eingriffe in den Checkout oder ausgefallene Sonderfunktionen sind schwerer umzusetzen als bei einem offenen System. Für die meisten Shops ist das verschmerzbar, denn der Standard von Shopify ist im E-Commerce sehr gut.
Die vier Kriterien für deine Entscheidung
Vergiss Feature-Tabellen mit fünfzig Zeilen. In der Praxis entscheiden vier Fragen:
- Geschäftsmodell: Verkaufst du physische Produkte an viele Kunden, oder gewinnst du Aufträge über Inhalte und Anfragen?
- Gewichtung: Steht Content im Mittelpunkt und der Verkauf daneben, oder ist es umgekehrt?
- Budgetstruktur: Kannst du mit laufenden Fixkosten leben, oder willst du einmal investieren und selbst hosten?
- Pflege: Wer kümmert sich nach dem Launch um Updates, Sicherheit und Inhalte?
Beantworte diese vier Fragen ehrlich, und die Plattform-Frage beantwortet sich fast von selbst. Ein Dienstleister mit Blog und Anfrage-Formular braucht kein Shopify. Ein Modelabel mit 300 Produkten und täglichen Bestellungen sollte sich WordPress mit WooCommerce sehr genau überlegen.
„Wer zuerst über Plugins und Themes redet und erst danach über sein Geschäftsmodell, baut die Entscheidung von der falschen Seite auf. Die Plattform folgt dem Geschäft, nie umgekehrt.“
Levin Görsoy, Gründer von dato.marketing
Kosten ehrlich gerechnet
WordPress wirkt auf den ersten Blick günstiger, weil die Software kostenlos ist. Rechne aber ehrlich: Hosting, Premium-Plugins, Wartung und Entwicklerstunden für Anpassungen summieren sich über die Jahre. Shopify hat planbare Monatskosten, dazu kommen Apps und Transaktionsgebühren, die bei wachsendem Umsatz spürbar werden.
Wichtig ist außerdem der Blick auf versteckte Posten. Bei WordPress sind das vor allem Sicherheits-Updates und der Entwickler, der im Notfall schnell reagieren können muss. Bei Shopify sind es App-Abos, die sich still summieren: Erst sind es zwei, nach einem Jahr sind es zwölf. Prüfe deine Installationen deshalb regelmäßig und wirf raus, was keinen messbaren Nutzen bringt.
Die ehrliche Antwort lautet: Über drei Jahre gerechnet liegen beide Systeme bei vergleichbarem Anspruch oft näher beieinander, als die Marketing-Seiten beider Lager behaupten. Entscheidend ist nicht der Preis, sondern welche Plattform dein Geschäftsmodell mit weniger Reibung unterstützt. Ein Punkt gilt übrigens für beide: Die Geschwindigkeit deiner Seite entscheidet mit über den Umsatz. Warum, erklären wir im Artikel Ladezeit kostet Umsatz.
Unsere Empfehlung aus der Praxis
Für Dienstleister, lokale Unternehmen und B2B-Firmen, die über Inhalte und Anfragen wachsen, empfehlen wir in den meisten Fällen WordPress. Für Marken, deren Kerngeschäft der Produktverkauf ist, empfehlen wir Shopify. Mischformen gibt es, sie sollten aber die Ausnahme bleiben, weil zwei Systeme doppelte Pflege bedeuten.
Zwei typische Fälle aus unserem Alltag machen es greifbar: Eine Physiotherapie-Praxis mit Blog, Terminanfragen und lokaler Sichtbarkeit fährt mit WordPress besser. Ein Schmucklabel, das täglich Pakete versendet und über Anzeigen skaliert, gehört auf Shopify. Beide Entscheidungen fallen leicht, sobald das Geschäftsmodell klar auf dem Tisch liegt.
Und egal, welche Plattform es wird: Sie ist nur das Fundament. Ob deine Seite tatsächlich Anfragen und Bestellungen bringt, entscheiden Struktur, Botschaft und Nutzerführung. Die Grundlagen dafür findest du in unserem Beitrag Eine Website, die verkauft. Und ein Shop ohne Besucher verkauft gar nichts, deshalb lohnt sich parallel ein Blick in unseren Meta-Ads-Guide für kleine Unternehmen.
Wenn du vor der Entscheidung stehst und unsicher bist: Das Team für Webentwicklung bei dato.marketing hat beide Plattformen in über 46 Projekten eingesetzt und sagt dir ehrlich, welche zu deinem Vorhaben passt, auch wenn die Antwort unbequem ist.
Häufige Fragen
Kann ich mit WordPress einen Online-Shop betreiben?
Ja, mit der Erweiterung WooCommerce ist WordPress ein vollwertiges Shopsystem. Es eignet sich gut, wenn der Shop Teil einer inhaltsstarken Website ist. Bei großen Sortimenten und hohem Bestellvolumen ist Shopify in Betrieb und Pflege meist die einfachere Wahl.
Ist Shopify teurer als WordPress?
Nicht zwingend. Shopify hat feste Monatsgebühren und Transaktionskosten, WordPress verursacht Kosten für Hosting, Plugins und Wartung. Über mehrere Jahre gerechnet liegen beide Systeme bei professionellem Betrieb oft in einer ähnlichen Größenordnung.
Kann ich später die Plattform wechseln?
Ja, ein Wechsel ist in beide Richtungen möglich. Produkte, Inhalte und Kundendaten lassen sich migrieren, der Aufwand hängt von der Größe des Projekts ab. Sauberer ist es, die Entscheidung am Anfang gründlich zu treffen, denn ein Umzug kostet Zeit, Geld und kurzfristig oft Sichtbarkeit.
Über den Autor: Levin Görsoy ist Gründer und CEO von dato.marketing, einer Full-Service-Marketing-Agentur aus Berlin. Mit seinem Team hat er über 46 Projekte produziert und mehr als 1 Million organische Views für Kundenkanäle aufgebaut. Mehr über seinen Werdegang findest du im Lebenslauf von Levin Görsoy.
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