B-Roll sind die Zwischenaufnahmen, die über die Sprachspur gelegt werden, Hände bei der Arbeit, ein Detail, eine Totale des Orts. Sie sind der Unterschied zwischen einem Video, das man ansieht, und einem, das man anhört und dabei weiterwischt. Und sie entstehen nicht im Schnitt, sondern am Drehtag, in 15 zusätzlichen Minuten.
Dieser Beitrag sagt, wie viele Zwischenaufnahmen du je Minute brauchst, wie lang jede einzelne stehen darf und in welcher Reihenfolge du sie drehst. Wie sie im Schnitt gesetzt werden, steht im Beitrag über die Grundlagen beim Reels-Schnitt.
Der Kern in einem Satz
B-Roll belegt eine Aussage, statt sie zu ersetzen. Jede Zwischenaufnahme gehört genau zu dem Satz, der über ihr gesprochen wird, sonst ist sie Dekoration und kostet Aufmerksamkeit.
Was B-Roll leistet und was nicht
Drei Dinge leistet sie zuverlässig. Sie gibt dem Auge einen Grund zu bleiben, weil sich das Bild ändert. Sie versteckt Sprungschnitte in der Sprachspur, weil man den Wechsel nicht sieht. Und sie beweist, was gesagt wird: Wer sagt, dass er die Unterspannbahn erneuert, sollte sie zeigen.
Was sie nicht leistet: Sie rettet keinen schwachen Text. Ein Video ohne klare Aussage wird durch schöne Bilder nur länger, nicht besser. Deshalb stehen bei uns Text und Aussage immer vor der Shotlist, die Logik dahinter beschreiben wir im Beitrag zum Content-Plan.
Wie viel B-Roll eine Minute braucht
Als Richtwert: 8 bis 14 Einblendungen je 60 Sekunden, jede 1,5 bis 3 Sekunden lang. Zusammen sind das 30 bis 40 Prozent der Laufzeit. Ein Reel von 30 Sekunden kommt entsprechend mit 5 bis 8 Einblendungen aus.
| Aussage im Text | Passende Zwischenaufnahme | Länge |
|---|---|---|
| Zahl oder Ergebnis | Detail der Sache, ruhig gehalten | 1,5 bis 2,0 s |
| Ein Arbeitsschritt | Halbnah auf die Hände | 2,0 bis 3,0 s |
| Ort oder Umfeld | Totale oder Anflug von außen | 1,5 bis 2,0 s |
| Ein Problem | Detail des Schadens | 2,0 s |
| Vorher und nachher | zwei gleiche Einstellungen nacheinander | je 1,5 s |
| Pointe oder Aufforderung | keine, zurück ins Gesicht |
Die letzte Zeile ist die wichtigste. An der Stelle, an der die entscheidende Aussage fällt, will man das Gesicht sehen. Wer dort eine Zwischenaufnahme legt, nimmt dem Satz seine Wirkung.
Am selben Drehtag aufnehmen
Zwischenaufnahmen, die eine Woche später entstehen, passen nie. Kleidung, Licht und Wetter haben sich geändert, und das fällt sofort auf. Plane deshalb nach jedem Interview 15 Minuten ein, in denen nur Bilder gedreht werden.
Damit das Material zusammenpasst, werden drei Einstellungen vorher festgezurrt: Weißabgleich manuell statt automatisch, Bildrate gleich dem Hauptmaterial, und die Verschlusszeit auf das Doppelte der Bildrate, bei 30 Bildern pro Sekunde also 1/60 Sekunde. Sonst wirkt die Bewegung in den Zwischenaufnahmen härter als im Interview.
Wie du jede Handlung aufnimmst
Drei Einstellungsgrößen je Handlung: Totale, Halbnah, Detail. Lass die Person die Handlung dreimal wiederholen und wechsle dazwischen die Position, statt während der Aufnahme zu zoomen. Aus drei Handlungen werden so neun Einstellungen, und das reicht für ein ganzes Reel.
Jede Einstellung läuft 8 bis 10 Sekunden. Davor und danach stehen jeweils 2 Sekunden, in denen nichts passiert, kein Schwenk, kein Griff. Dieser Vor- und Nachlauf ist der Teil, den man im Schnitt am dringendsten braucht und am häufigsten vergisst. Ohne ihn liegt jeder Schnitt direkt auf einer Bewegung, die noch nicht zur Ruhe gekommen ist.
Für Zeitlupe drehst du die Zwischenaufnahme in 60 Bildern pro Sekunde und legst sie in eine Zeitleiste mit 30. Das ergibt halbe Geschwindigkeit ohne Ruckeln. Nutze das nur für Bewegung, nie für sprechende Menschen.
Anschlüsse: Richtung und Winkel
Zwei Regeln reichen. Erstens: Die Bewegungsrichtung bleibt über den Schnitt gleich. Wer im ersten Bild von links nach rechts arbeitet, arbeitet auch im zweiten von links nach rechts, sonst wirkt es, als drehe sich die Szene um.
Zweitens: Zwischen zwei Einstellungen derselben Sache ändert sich entweder die Einstellungsgröße um mindestens zwei Stufen oder der Kamerawinkel um mindestens 30 Grad. Liegt beides darunter, sieht der Schnitt aus wie ein Aussetzer und nicht wie eine Entscheidung.
Wo die Einblendung im Schnitt einsetzt
Nicht am Satzanfang, sondern kurz danach: ungefähr 6 bis 10 Einzelbilder, nachdem der Begriff gefallen ist, auf den sich das Bild bezieht. Das Ohr hört zuerst, das Auge folgt. Umgekehrt wirkt es, als käme das Bild zu früh, und der Zuschauer sucht nach dem Zusammenhang.
Geht die Einblendung zu Ende, bist du spätestens beim nächsten Absatz wieder im Gesicht. Länger als 3 Sekunden am Stück sollte eine Zwischenaufnahme in einem Reel nicht stehen, sonst verliert der Zuschauer den Sprecher.
Der Ton unter den Zwischenaufnahmen
Schalte den Originalton der Zwischenaufnahme nicht stumm. Hammerschläge, Schritte, Wind: Diese Geräusche machen den Schnitt glaubwürdig. Sie laufen unter der Sprache, deutlich leiser, 12 bis 18 Dezibel darunter reicht. Wie du die Pegel sauber setzt, steht im Beitrag zum Ton in Social Videos.
Wenn die Zwischenaufnahme einen eigenen starken Ton hat, darfst du ihn für einen Moment nach vorn holen, eine Säge, ein zufallender Deckel. Zwei bis drei Einzelbilder vor dem Bildschnitt eingeblendet, wirkt das wie ein Ausrufezeichen.
Die Shotlist, die wir mitnehmen
- Anflug oder Totale des Orts, zweimal, je 10 Sekunden.
- Drei Arbeitsschritte in je drei Einstellungsgrößen.
- Zwei Detailaufnahmen von Material oder Werkzeug.
- Eine Aufnahme der Person, die ins Bild kommt oder es verlässt.
- Ein ruhiges Bild ohne Handlung als Reserve für den Abbinder.
Das sind rund 15 Einstellungen und etwa eine Viertelstunde Drehzeit. Dieselbe Liste funktioniert für jedes Handwerk, jede Praxis und jedes Studio, sie gehört zur Vorbereitung, die wir unter Konzeption und Strategie beschreiben. Dass sich der Aufwand lohnt, zeigt sich vor allem bei Anzeigen, wo mehrere Fassungen aus demselben Material entstehen: siehe unseren Beitrag über Anzeigen-Creatives, die konvertieren.
Die vier häufigsten Fehler
- Zu wenig Vorlauf. Die Handlung beginnt in Bild eins, und der Schnitt hat keinen Platz.
- Zoomen während der Aufnahme. Lieber zweimal drehen als einmal zoomen.
- Bilder ohne Bezug. Eine schöne Totale zum falschen Satz ist eine Unterbrechung, keine Belegung.
- Untertitel unter der Zwischenaufnahme vergessen. Der Text muss auch auf hellem Material lesbar bleiben, die Werte dafür stehen im Beitrag zu Untertiteln in Reels.
Wie wir das in Projekten lösen
Bei uns steht die Shotlist vor dem Drehtag, und der Drehtag endet nie ohne die 15 Minuten für Zwischenaufnahmen. Welches Schnittprogramm danach zum Einsatz kommt, hängt vom Projekt ab, die Abwägung steht im Vergleich CapCut oder Premiere Pro. Wie dieser Aufwand in einen durchhaltbaren Rhythmus passt, beschreibt unser Beitrag zur Reels-Strategie für kleine Unternehmen.
Wenn du Dreh und Schnitt abgeben willst, findest du die Stufen in unseren Paketen, die laufende Betreuung beschreiben wir unter Social Media Marketing. Die Konditionen besprechen wir im Erstgespräch, das du über das Kontaktformular anfragen kannst.
Häufige Fragen
Wie viel B-Roll braucht ein Reel?
8 bis 14 Einblendungen je 60 Sekunden, jede 1,5 bis 3 Sekunden lang, zusammen 30 bis 40 Prozent der Laufzeit. Ein Reel von 30 Sekunden kommt mit 5 bis 8 Einblendungen aus. An der entscheidenden Aussage bleibt das Bild beim Sprecher.
Wann nimmt man Zwischenaufnahmen auf?
Am selben Drehtag, direkt im Anschluss an das Interview. Kleidung, Licht und Wetter sind dann identisch. Plane dafür 15 Minuten und drehe jede Handlung in drei Einstellungsgrößen mit jeweils zwei Sekunden Vor- und Nachlauf.
Wie vermeidet man Anschlussfehler zwischen zwei Einstellungen?
Die Bewegungsrichtung über den Schnitt hinweg beibehalten und die Einstellungsgröße um mindestens zwei Stufen oder den Kamerawinkel um mindestens 30 Grad ändern. Liegt beides darunter, wirkt der Schnitt wie ein Aussetzer statt wie eine Entscheidung.
Fazit
Plane die 15 Minuten für Zwischenaufnahmen fest in jeden Drehtag ein und geh mit einer Liste hinein statt mit einem guten Vorsatz. Drei Handlungen in drei Einstellungsgrößen, jeweils mit Vor- und Nachlauf, reichen für ein vollständiges Reel und dieses Material ist der einzige Teil der Produktion, den du im Schnitt nicht nachholen kannst.
Über den Autor: Levin Görsoy ist Gründer und CEO von dato.marketing, einer Full-Service-Marketing-Agentur aus Berlin. Mit seinem Team hat er über 46 Projekte produziert und mehr als 1 Million organische Views für Kundenkanäle aufgebaut. Mehr über seinen Werdegang findest du im Lebenslauf von Levin Görsoy.
Du willst das Thema lieber abgeben? Sieh dir unsere Pakete an oder sichere dir ein kostenloses Erstgespräch: Antwort innerhalb von 24 Stunden, ohne Standardpakete.