Videodreh vorbereiten: was am Drehtag nicht fehlen darf

Ein Videodreh scheitert selten an der Kamera. Er scheitert an Dingen, die vorher niemand geklärt hat: Der Raum ist belegt, die Person für das Interview im Urlaub, im Hintergrund läuft der Kompressor, eine Mitarbeiterin will nicht ins Bild und es gibt keine unterschriebene Einwilligung. Was am Drehtag nicht fehlen darf, sind deshalb fünf Dinge: eine Drehliste mit allen Motiven, ein geklärter Ort mit den nötigen Genehmigungen, die Einwilligungen aller Menschen im Bild, ein Zeitplan mit Reserven und eine Person bei dir im Betrieb, die entscheiden darf. Der Rest lässt sich vor Ort lösen.

Zuerst das Ziel, dann die Bilder

Bevor jemand über Kameras redet, steht ein Satz auf Papier: Was soll das Video bewirken, und bei wem? Ein Recruiting-Film für Elektriker braucht andere Bilder als ein Video, das Hausverwaltungen von einer Wartungsleistung überzeugen soll. Aus diesem Satz leitest du ab, welche Situationen gezeigt werden müssen und welche nur nett wären.

Kläre im selben Schritt, welche Formate entstehen sollen: ein längerer Film im Querformat, kurze Clips im Hochformat oder beides. Das entscheidet über Kamerapositionen und Bildaufbau, und es lässt sich am Drehtag nicht mehr nachholen. Wann welches Format passt, beschreibt der Beitrag Imagefilm oder Reels.

Die Drehliste

Die Drehliste ist das wichtigste Dokument eines Drehs. In ihr steht jede Einstellung, die am Ende im Schnitt gebraucht wird, mit Ort, beteiligten Personen und benötigten Requisiten. Sie verhindert, dass am Abend auffällt, dass das Schlussbild fehlt.

Nr.MotivOrtWer ist im BildFormatErledigt
——————
1Begrüßung durch die Inhaberin, Aussage in die KameraBüro, vor dem FensterInhaberinquer und hoch
2Hände beim Verdrahten, nahWerkstatt, Tisch 3Azubiquer
3Transporter fährt vom HofHof, AusfahrtFahrerquer und hoch
4Kundengespräch, ohne TonBesprechungsraumTeamleiter, Testkundehoch
5Logo am Gebäude, TotaleStraße gegenüberniemand erkennbarquer

Sortiere die Liste danach nicht nach der Reihenfolge im Film, sondern nach Ort und Uhrzeit. Gedreht wird, was am selben Ort stattfindet, zusammen. Das spart viel Zeit, die sonst mit Umbauen verloren geht.

Plane für jede wichtige Aussage eine zweite Variante: kürzer, anders formuliert, an einem anderen Ort. Im Schnitt ist Auswahl wertvoller als Perfektion beim ersten Versuch.

Ort, Hausrecht und Genehmigungen

Für jeden Drehort gilt eine einfache Frage: Wer darf hier entscheiden, und hat diese Person zugestimmt? In deinen eigenen Räumen bist das du. Beim Kunden auf der Baustelle, im gemieteten Ladenlokal oder im Einkaufszentrum ist es jemand anderes. Hol die Erlaubnis vorher ein, am besten per E-Mail, und nimm sie am Drehtag mit.

Sobald du öffentliche Flächen nutzt, wird es behördlich. In Berlin sind Filmaufnahmen auf öffentlichem Straßenland nach Angaben des Service-Portals eine Sondernutzung, für die die Produktionsfirma eine Erlaubnis beantragen muss. Das gilt auch dann, wenn nur auf dem Privatgrundstück gedreht wird, aber Technikfahrzeuge, Catering oder Maske auf dem Gehweg stehen. Zuständig ist das Bezirksamt, in dem gedreht wird. Zusätzlich braucht es eine Ausnahmegenehmigung oder Anordnung nach der Straßenverkehrsordnung von der Zentralen Straßenverkehrsbehörde. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit gibt das Land mit einem Monat an, die Behörde kann diese Frist einmalig auf zwei Monate verlängern.

Außerhalb Berlins regeln Städte und Gemeinden das unterschiedlich. Frag beim Ordnungsamt oder beim Straßen- und Grünflächenamt nach, sobald du auf Gehweg, Straße oder Grünfläche drehst oder dort etwas abstellst. Für Luftaufnahmen mit Drohne gelten eigene Regeln aus dem Luftrecht. In Berlin brauchen Drohnendrehs im inneren Bereich des Flugbeschränkungsgebiets um den Bundestag, also näher als 1,85 Kilometer, nach Angaben der Senatsverwaltung zusätzlich eine Interessenbekundung, die die Berlin Brandenburg Film Commission vergibt.

Menschen im Bild

Jede erkennbare Person im Video ist ein eigenes Thema. Für Mitarbeitende gilt: Ihre Einwilligung muss nach § 26 Absatz 2 BDSG in der Regel schriftlich oder elektronisch vorliegen, und sie müssen in Textform über Zweck und Widerrufsrecht informiert werden. Das Kunsturhebergesetz verlangt in § 22 eine Einwilligung, bevor ein Bildnis verbreitet wird. Was genau in das Formular gehört und was bei einem Widerruf passiert, steht im Beitrag über Mitarbeitende im Firmenvideo.

Für die Vorbereitung heißt das praktisch:

  • Formulare eine Woche vorher verteilen, nicht am Drehtag. Wer überrumpelt wird, sagt später eher Nein.
  • Eine Liste führen, wer unterschrieben hat. Wer nicht unterschrieben hat, wird nicht erkennbar gefilmt.
  • Kundinnen und Kunden, die zufällig im Laden sind, nicht ins Bild nehmen oder vorher fragen. Für feste Rollen im Video, etwa ein Kundengespräch, eine bekannte Person einladen, die einwilligt.
  • Bildschirme, Whiteboards und Papiere auf den Tischen prüfen. Kundennamen, Preise und interne Zahlen haben im Video nichts verloren.

Licht und Geräusche am Ort

Besichtige jeden Drehort vorher, idealerweise zur gleichen Uhrzeit wie am Drehtag. Achte auf drei Dinge.

Licht: Wo stehen die Fenster, und wann scheint die Sonne direkt hinein? Ein Interview mit dem Fenster im Rücken macht das Gesicht dunkel. Notiere, welche Lampen sich ausschalten lassen, denn gemischtes Licht aus Leuchtstoffröhren und Tageslicht färbt Gesichter unterschiedlich ein.

Geräusche: Lüftung, Maschinen, Straßenlärm, Telefone, Kaffeemaschine. Kläre, was für die Dauer der Aufnahmen abgeschaltet werden kann und wer das darf. Was nicht abschaltbar ist, bestimmt, wo Interviews stattfinden. Wie du mit Ton im Video umgehst, auch mit Musik und Rechten, beschreibt der Beitrag Ton in Social Videos.

Strom und Platz: Wo sind Steckdosen, wo kann Ausrüstung stehen, ohne im Weg zu sein? In Werkstätten und auf Baustellen gehört dazu die Frage nach Schutzausrüstung für das Team.

Der Ablauf am Drehtag

Ein Zeitplan für den Tag hilft allen Beteiligten, vor allem den Mitarbeitenden, die nebenbei ihre eigentliche Arbeit machen. So kann ein Tag aussehen:

UhrzeitWas passiertWer muss da sein
———
8:00Ankunft, Aufbau, kurze Runde mit allen BeteiligtenAnsprechperson im Betrieb
8:45Bilder ohne Menschen: Gebäude, Räume, Detailsniemand
10:00Arbeitssituationen in der Werkstattbetroffene Mitarbeitende
12:00Pause, Sichtung der bisherigen AufnahmenAnsprechperson
13:00Interviews und Aussagen in die KameraInhaberin, Teamleiter
15:00Nachdrehs, Reserve, Hochformat-Variantenje nach Liste
16:30Abbau, Abgleich der DrehlisteAnsprechperson

Die Zeiten sind ein Beispiel. Wichtig ist das Prinzip: Bilder ohne Menschen früh, solange niemand wartet. Interviews nicht direkt nach dem Aufbau, wenn alle noch nervös sind, und nicht am späten Nachmittag, wenn alle müde sind. Und am Ende immer eine Reserve.

Die wichtigste Rolle am Drehtag hast nicht du, sondern deine Ansprechperson. Sie kennt die Abläufe, holt Kolleginnen und Kollegen zum richtigen Zeitpunkt, und sie darf entscheiden, ob eine Szene so gezeigt werden kann. Ohne diese Person steht das Team ständig und wartet auf Antworten.

Technische Absprachen vor dem Dreh

Ein paar technische Fragen gehören in die Vorbereitung, weil sie später nicht mehr zu ändern sind. Die Bildrate zum Beispiel: YouTube empfiehlt, mit derselben Bildrate hochzuladen, mit der aufgenommen wurde. Andere Plattformen haben eigene Vorgaben. Wer für mehrere Plattformen dreht, legt die Bildrate vorher fest.

Für Hochformat-Clips gilt: Wichtige Inhalte gehören in die Mitte. Die Ränder werden auf den Plattformen von Bedienelementen, Text und Profilangaben überdeckt. LinkedIn rät in seiner Hilfe ausdrücklich, die Ränder eines Videos frei von zentralen Elementen, Text und Logos zu halten. Das betrifft auch Firmenlogos auf Kleidung und Fahrzeugen, die im Bild sichtbar sein sollen.

Kläre außerdem, wer die Rohdaten bekommt und wie lange sie aufbewahrt werden. Gerade wenn Mitarbeitende ihre Einwilligung später widerrufen, musst du wissen, wo das Material liegt.

Freigaben nach dem Dreh

Plane den Weg zur Freigabe genauso wie den Dreh. Wer schaut sich den ersten Schnitt an, bis wann, und wer hat das letzte Wort? Je mehr Personen mitreden, desto länger dauert es. Eine bewährte Regel: Eine Person sammelt alle Rückmeldungen und gibt sie gebündelt weiter.

Lass gezeigte Mitarbeitende den Schnitt sehen, bevor er veröffentlicht wird. Das ist keine Pflicht, aber es verhindert, dass jemand sich erst auf Instagram in einer Szene wiederfindet, die ihm unangenehm ist.

Häufige Fragen

Wie lange vorher sollte ich mit der Planung anfangen?

Das hängt von den Genehmigungen ab. Wenn du in Berlin auf öffentlichem Straßenland drehst, nennt das Land eine durchschnittliche Bearbeitungszeit von einem Monat. Ohne behördliche Genehmigungen reichen oft wenige Wochen für Drehliste, Ortsbesichtigung und Einwilligungen.

Was mache ich, wenn jemand am Drehtag nicht gefilmt werden will?

Respektieren und umplanen. Die Person wird nicht erkennbar gezeigt, ihre Aufgabe übernimmt jemand anderes, oder die Szene wird so gedreht, dass nur Hände oder Werkzeug zu sehen sind.

Brauche ich ein Drehbuch?

Für einen Imagefilm mit Sprechertext ja. Für Clips aus dem Arbeitsalltag reicht oft die Drehliste mit Stichworten zu den Aussagen. Auswendig gelernte Texte wirken bei Laien meist steif.

Was sollte ich am Drehtag nicht tun?

Neue Motive erfinden, die keiner geplant hat, solange die Liste nicht abgearbeitet ist. Und die Ansprechperson nicht gleichzeitig in drei Szenen einsetzen.

Was du jetzt tun kannst

  • Schreib den Zielsatz auf und leg die Formate fest.
  • Erstelle die Drehliste mit Ort, Personen und Format und sortiere sie nach Ort und Uhrzeit.
  • Besichtige die Orte zur Drehzeit und notiere Licht, Lärm und Strom.
  • Kläre Hausrecht und Genehmigungen, bei öffentlichen Flächen mit genug Vorlauf.
  • Verteile die Einwilligungen eine Woche vorher und führe eine Liste.
  • Bestimme eine Ansprechperson mit Entscheidungsbefugnis.
  • Leg den Freigabeweg fest, bevor der erste Schnitt kommt.

Wie wir einen Dreh von der Planung bis zum Schnitt aufbauen, steht auf der Seite zur Videoproduktion.

Quellen

Stand dieses Beitrags: 2026-10-26. Rechtslage und Zahlen ändern sich, prüf vor einer Entscheidung die verlinkten Quellen.