Untertitel in Reels sind kein Zusatz, sondern der Hauptkanal für deinen Text. Ein großer Teil aller Wiedergaben startet stummgeschaltet, in der Bahn, im Wartezimmer, im Büro. Wer in dieser Situation nichts lesen kann, wischt weiter, bevor der erste Satz zu Ende gesprochen ist.
Deshalb behandeln wir Untertitel wie Gestaltung und nicht wie Beschriftung: mit festen Werten für Zeilenlänge, Standzeit, Position und Kontrast. Dieser Beitrag nennt sie alle. Wie der Schnitt darunter aufgebaut sein muss, steht im Beitrag über die Grundlagen beim Reels-Schnitt.
Der Kern in einem Satz
Untertitel entscheiden nicht darüber, ob ein Video verstanden wird, sondern darüber, ob es überhaupt angesehen wird. Lesbar heißt: zwei Zeilen, kurze Sinnabschnitte, hoher Kontrast, oberhalb der Bedienleiste.
Warum Untertitel auf die Watchtime durchschlagen
Die Entscheidung, ein Video weiterlaufen zu lassen, fällt in den ersten anderthalb Sekunden. Ohne Ton ist der eingeblendete Text in dieser Zeit die einzige Information, die ankommt. Fehlt er, bleibt nur ein sprechendes Gesicht ohne erkennbaren Grund zum Bleiben.
Der zweite Effekt ist weniger offensichtlich: Untertitel zwingen dich, kürzer zu formulieren. Ein Satz, der nicht in zwei Zeilen passt, ist meistens auch gesprochen zu lang. Wer Untertitel vor dem Feinschnitt setzt, merkt sofort, wo der Text schwafelt.
Eingebrannt oder über die Untertitelfunktion der Plattform?
Beides, und zwar in dieser Reihenfolge: eingebrannt für die Gestaltung, zusätzlich als Untertitelspur für alles andere. Eingebrannte Untertitel sind Teil des Bildes und sehen überall gleich aus. Die Untertitelfunktion der Plattform liefert dafür einen auslesbaren Text, der auch der Auffindbarkeit hilft.
| Kriterium | Im Schnitt eingebrannt | Untertitelfunktion der Plattform |
|---|---|---|
| Gestaltung | frei: Schrift, Farbe, Position | vorgegeben, Position schwankt |
| Korrektur | nur vor dem Export möglich | jederzeit nachträglich |
| Auslesbarer Text | nein, Text ist Bild | ja, als Textspur hinterlegt |
| Zweitverwertung | fest im Video, auf jedem Kanal gleich | bleibt an die Plattform gebunden |
| Risiko | Überdeckung durch die Bedienleiste | Fehler in der automatischen Erkennung |
Für Werbeanzeigen gilt eine Besonderheit: Dort läuft das Video oft in Platzierungen, in denen gar keine Untertitelspur eingeblendet wird. Anzeigen brennen wir deshalb immer ein, mehr dazu im Beitrag über Anzeigen-Creatives, die konvertieren.
Lesegeschwindigkeit: wie viele Zeichen pro Sekunde
In der professionellen Untertitelung rechnet man mit 13 bis 17 Zeichen pro Sekunde. Für Social Videos liegen wir bewusst am unteren Ende, weil nebenbei gelesen wird: 12 bis 14 Zeichen pro Sekunde. Eine Einblendung mit 28 Zeichen steht damit rund zwei Sekunden.
Dazu zwei harte Grenzen. Nach unten: Keine Einblendung steht kürzer als 1,0 Sekunden, sonst flackert es. Nach oben: Keine steht länger als 6 Sekunden, sonst wird sie als stehendes Bild wahrgenommen und nicht mehr gelesen. Zwischen zwei Einblendungen liegen mindestens 2 Einzelbilder Pause, sonst verschmelzen sie optisch.
Zeilenlänge und Umbruch
Im Hochformat passen 24 bis 30 Zeichen in eine Zeile, wenn die Schrift groß genug ist. Mehr als zwei Zeilen gleichzeitig sind zu viel, die dritte Zeile wird fast nie gelesen und drängt in Bereiche, die von der Bedienoberfläche überdeckt werden.
Umgebrochen wird nach Sinneinheiten, nicht nach Zeilenbreite. „Wir haben die Dachfläche / vor dem Winter abgedichtet“ liest sich flüssig. „Wir haben die / Dachfläche vor dem Winter abgedichtet“ stolpert, obwohl beide Varianten gleich viele Zeichen haben. Steht die obere Zeile etwas kürzer als die untere, wirkt der Block ruhiger.
Wo die Untertitel im Bild stehen
Die Grundlinie der untersten Zeile liegt bei 68 bis 75 Prozent der Bildhöhe, bei 1080 × 1920 Pixeln also zwischen Bildzeile 1300 und 1440. Darunter beginnt der Bereich, den Bildunterschrift, Profilname und Schaltflächen belegen: rund 420 Pixel am unteren Rand und etwa 180 Pixel am rechten.
Seitlich halten wir mindestens 80 Pixel Abstand, das sind gut sieben Prozent der Breite. Der Textblock wird zentriert gesetzt und wächst nach oben, nicht nach unten, sonst wandert eine zweizeilige Einblendung in die Bedienleiste. Prüfe die Werte einmal im Quartal an einem echten Gerät nach, denn die Oberflächen der Apps verschieben sich regelmäßig.
Kontrast und Schrift
Weiße Schrift auf hellem Putz ist unlesbar, und genau das passiert bei Aufnahmen im Freien ständig. Deshalb bekommt der Text immer eine eigene Grundlage: entweder eine Kontur von 4 bis 6 Pixeln, einen weichen Schatten mit rund 60 Prozent Deckkraft und 4 Pixeln Versatz oder eine halbtransparente Fläche mit 60 bis 70 Prozent Deckkraft und 16 Pixeln Innenabstand.
Als Schrift funktioniert eine halbfette Grotesk am besten. Die Versalhöhe liegt bei 3,5 bis 4,5 Prozent der Bildhöhe, bei 1920 Bildzeilen also rund 68 bis 86 Pixel. Schmale Schnitte, Kursive und Schriften mit feinen Haarlinien fallen bei starker Komprimierung im Feed auseinander. Als Faustwert für den Kontrast zwischen Text und Untergrund reichen 4,5:1 gerade aus, 7:1 ist sicher.
Einzelne Wörter hervorheben
Eine Hervorhebung pro Einblendung, nie zwei. Markiert wird das Wort, das die Aussage trägt: eine Zahl, ein Zeitraum, das Ergebnis. Nutze dafür eine einzige Farbe aus deinem Erscheinungsbild und halte sie über den ganzen Kanal durch, damit sie als Signal funktioniert und nicht als Dekoration.
Die wortweise mitlaufende Einfärbung wirkt in den ersten fünf Sekunden gut und danach anstrengend. Wir setzen sie nur im Hook ein. Für alles, was darüber hinausgeht, animierte Zahlen, wandernde Pfeile, eingeblendete Grafiken, gelten die Regeln aus unserem Beitrag über Motion Design im Social Feed.
Automatische Erkennung korrigieren
Die automatische Erkennung der Schnittprogramme spart viel Zeit und macht immer dieselben vier Fehlergruppen. Erstens Eigennamen: Firmen-, Orts- und Personennamen. Zweitens Fachbegriffe deiner Branche. Drittens Zahlen und Einheiten, aus „fünfzehn Quadratmetern“ wird gern „15 qm“ oder umgekehrt. Viertens Satzzeichen, die schlicht fehlen.
Der schnellste Weg: einmal eine Liste der 20 Begriffe anlegen, die in deinen Videos ständig vorkommen, und diese nach jeder Erkennung gezielt suchen. Das dauert zwei Minuten je Video statt zehn. Welches Programm dabei wie zuverlässig arbeitet, vergleichen wir im Beitrag CapCut oder Premiere Pro.
Der Test vor der Veröffentlichung
- Handy auf Armlänge halten, Ton aus, Helligkeit auf ein Drittel stellen.
- Das Video einmal komplett durchlaufen lassen, ohne anzuhalten.
- Jede Stelle notieren, an der du eine Einblendung nicht zu Ende gelesen hast.
- Diese Einblendungen kürzen, nicht verlängern. Kürzerer Text schlägt längere Standzeit.
- Zum Schluss prüfen, ob eine Zeile in den unteren 420 Bildzeilen landet.
Dieser Durchgang findet mehr Fehler als jede Kontrolle am großen Bildschirm. Zwischenaufnahmen verschieben den Bildinhalt unter dem Text mit, deshalb lohnt er sich besonders, wenn viel B-Roll im Video liegt.
Wie wir das in Projekten lösen
Untertitel sind bei uns Teil des Schnitts und nicht der letzte Handgriff. Für jeden Kanal legen wir einmal eine Vorlage an: Schrift, Größe, Kontur, Position, Hervorhebungsfarbe. Danach kostet jedes weitere Video nur noch die Korrektur der Erkennung. Wie wir grundsätzlich arbeiten, steht auf der Seite über uns, die laufende Produktion beschreiben wir unter Social Media Marketing.
Wenn du die Produktion abgeben willst, findest du die Stufen in unseren Paketen. Die Konditionen besprechen wir im Erstgespräch, das du über das Kontaktformular anfragen kannst. Dass sich der Aufwand lohnt, merkst du an derselben Stelle wie beim Schnitt: an der Haltezeit, über die wir im Beitrag zum Aufbau organischer Reichweite schreiben.
Häufige Fragen
Wie lang darf eine Untertitelzeile in einem Reel sein?
24 bis 30 Zeichen je Zeile, höchstens zwei Zeilen gleichzeitig. Umgebrochen wird nach Sinneinheiten, nicht nach Zeilenbreite. Längere Zeilen werden im Hochformat entweder zu klein gesetzt oder rutschen in den Bereich der Bedienoberfläche.
Wo müssen Untertitel in einem Hochformatvideo stehen?
Mit der Grundlinie der untersten Zeile bei 68 bis 75 Prozent der Bildhöhe, also zwischen Bildzeile 1300 und 1440 bei 1080 × 1920 Pixeln. Die unteren rund 420 und die rechten rund 180 Pixel gehören der Bedienoberfläche und bleiben frei.
Reichen automatisch erzeugte Untertitel aus?
Als Grundlage ja, als Endergebnis nein. Eigennamen, Fachbegriffe, Zahlen mit Einheiten und Satzzeichen musst du nachziehen. Eine feste Liste der Begriffe, die in deinen Videos ständig vorkommen, verkürzt diese Korrektur auf wenige Minuten je Video.
Soll man Untertitel einbrennen oder die Plattformfunktion nutzen?
Am besten beides. Eingebrannt bleibt die Gestaltung überall gleich und funktioniert auch in Platzierungen ohne Untertitelspur. Die zusätzlich hinterlegte Textspur ist auslesbar, lässt sich nachträglich korrigieren und hilft der Auffindbarkeit.
Fazit
Leg dir einmal eine Untertitelvorlage an, Schrift, Größe, Kontur, Position, eine Hervorhebungsfarbe und halte sie über alle Videos durch. Danach ist Untertiteln keine Gestaltungsfrage mehr, sondern eine Korrekturaufgabe von zwei Minuten. Diese zwei Minuten sind der billigste Hebel auf die Haltezeit, den du in der ganzen Produktion hast.
Über den Autor: Levin Görsoy ist Gründer und CEO von dato.marketing, einer Full-Service-Marketing-Agentur aus Berlin. Mit seinem Team hat er über 46 Projekte produziert und mehr als 1 Million organische Views für Kundenkanäle aufgebaut. Mehr über seinen Werdegang findest du im Lebenslauf von Levin Görsoy.
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