SEO-Prüfliste: was du an einem Vormittag selbst durchgehst

An einem Vormittag prüfst du die Punkte, die den größten Teil der Sichtbarkeit erklären: Ist die Seite im Index von Google, stimmen Seitentitel und Beschreibungen, ist die Überschriftenstruktur sauber, lädt die Seite auf dem Handy schnell genug, sind Bilder vernünftig ausgeliefert, und führen interne Links sowie alte Adressen dorthin, wo sie hinführen sollen. Alles, was tiefer geht, braucht Daten über Wochen und gehört nicht in diese vier Stunden.

Die Prüfliste unten ist nach Zeitblöcken sortiert. Jeder Fachbegriff wird beim ersten Auftauchen erklärt, damit du sie auch ohne Technikhintergrund abarbeiten kannst.

Was in einem Vormittag realistisch drin ist

Das Ergebnis ist keine Note, sondern eine Fundliste. Leg eine Tabelle mit vier Spalten an: Fund, wo er auftritt, geschätzter Aufwand, Datum. Alles, was du nicht in zwei Minuten reparieren kannst, wird notiert und nicht sofort angefasst, sonst endet der Vormittag nach dem zweiten Punkt.

Vorbereitung: Zugang zur Google Search Console, einem kostenlosen Google-Werkzeug, das zeigt, wie Google deine Seite sieht, dazu ein Browser mit Entwicklerwerkzeugen, dein Handy und die Tabelle. Nicht in diesem Vormittag enthalten sind Wettbewerbsanalyse, Linkaufbau, Inhaltsstrategie und die Auswertung von Serverprotokollen.

Stunde 1: Wird die Seite überhaupt gefunden?

Öffne in der Search Console den Bericht zur Seitenindexierung. Der Index ist der Bestand an Seiten, den Google kennt und in Ergebnissen ausspielen kann. Vergleiche die Zahl der indexierten Adressen mit der Zahl deiner tatsächlichen Seiten und lies die Gründe für Ausschlüsse. Fehlt eine wichtige Leistungsseite, ist das der erste Eintrag in deiner Fundliste.

Dann drei Dateien und Einstellungen. Die robots.txt unter deinedomain.de/robots.txt legt fest, welche Bereiche Suchmaschinen abrufen dürfen. Ein noindex im Kopfbereich einer Seite bittet Suchmaschinen, diese Adresse nicht in die Ergebnisse aufzunehmen, und bleibt nach Relaunches gern stehen. Das Canonical ist ein Hinweis im Seitenkopf darauf, welche Adresse die Hauptfassung eines Inhalts ist; zeigt es auf die falsche Seite, verschwindet die richtige aus den Ergebnissen.

Prüfe zuletzt die Sitemap, also die maschinenlesbare Liste deiner Adressen, und ob deine Domain in genau einer Fassung erreichbar ist. Tippe die Adresse mit http, mit www und ohne www ein: Alles soll auf dieselbe Fassung weiterleiten. Vier parallel erreichbare Fassungen derselben Startseite sind ein Klassiker und leicht zu reparieren.

Stunde 2: Titel, Beschreibungen und Überschriften

Der Title-Tag ist der Text, der im Suchergebnis als anklickbare Zeile und im Browser-Tab erscheint. Die Meta-Description ist der Beschreibungstext darunter; sie ist kein Rankingfaktor, entscheidet aber mit über den Klick. Trag für deine zehn wichtigsten Seiten beides in die Tabelle ein und suche nach drei Fehlern: Duplikate, leere Felder und Titel, die vorn mit dem Firmennamen statt mit dem Thema beginnen.

Zur Länge: Google schneidet nach Pixelbreite ab, nicht nach Zeichen, als Richtwert halten etwa 55 bis 60 Zeichen. Wichtiger als das Zählen ist, dass das Thema im ersten Drittel steht. Nimm dir dazu in der Search Console die Anfragen mit vielen Impressionen und wenigen Klicks vor, denn das sind die Titel, die zuerst Arbeit verdienen.

Danach die Überschriften. Die H1 ist die Hauptüberschrift einer Seite, und es gehört genau eine pro Seite dorthin. H2 und H3 gliedern den Text darunter. Im Quelltext siehst du, ob dein Theme versehentlich das Logo oder jede Kachel als Überschrift auszeichnet. Formuliere H2 als Fragen oder klare Aussagen, denn so werden Abschnitte einzeln zitierfähig, auch für Antwortmaschinen wie ChatGPT und Perplexity.

Stunde 3: Ladezeit, Core Web Vitals und Bilder

Core Web Vitals sind drei Messwerte, mit denen Google die Nutzungsqualität einer Seite in Zahlen fasst. LCP, kurz für Largest Contentful Paint, ist die Zeit, bis das größte Element im sichtbaren Bereich fertig geladen ist, gut bis 2,5 Sekunden. INP, kurz für Interaction to Next Paint, ist die Verzögerung zwischen einer Eingabe und der sichtbaren Reaktion, gut bis 200 Millisekunden. CLS ist die Summe unerwarteter Layoutsprünge, gut bis 0,1. Bewertet wird für Mobil und Desktop getrennt, und zwar am 75. Perzentil, also an dem Wert, den drei von vier Aufrufen einhalten.

Miss mobil, miss mehrfach und nimm den mittleren Wert. Eine einzelne Messung schwankt stark, weil die gängigen Werkzeuge nicht wirklich drosseln, sondern hochrechnen; warum das so ist, steht ausführlich in unserem Blog. Halte die Laborwerte außerdem gegen Felddaten, also gegen Werte aus den Besuchen echter Menschen.

Bei Bildern prüfst du vier Dinge: Dateigröße, Ausgabebreite, Format und Alternativtext. Ein Foto mit 4000 Pixeln Breite in einem 800 Pixel breiten Container ist verschenkte Ladezeit. Moderne Formate wie WebP oder AVIF sparen deutlich. Der Alternativtext, kurz alt-Text, beschreibt ein Bild für Menschen, die es nicht sehen können, und für Suchmaschinen. Und das erste sichtbare Bild sollte nicht verzögert nachgeladen werden, weil genau es meist den LCP bestimmt.

Stunde 4: Interne Links, Weiterleitungen, Fehlerseiten

Interne Links sind Verweise von einer eigenen Seite auf eine andere. Entscheidend ist der Ankertext, also der verlinkte Text, der sagt, was auf der Zielseite steht. Suche nach verwaisten Seiten, auf die keine andere Seite verlinkt, und prüfe die Klicktiefe, also wie viele Klicks von der Startseite bis zu einer wichtigen Seite nötig sind. Mehr als drei sind ein Grund, die Navigation zu überdenken.

Bei Weiterleitungen unterscheidest du zwei Arten. Eine 301 ist dauerhaft und sagt, dass Adresse A endgültig durch Adresse B ersetzt wurde. Eine 302 ist vorübergehend. Nach einem Relaunch gehören alte Adressen dauerhaft weitergeleitet, und zwar direkt auf das Ziel, ohne Kette über drei Zwischenstationen. Eine 404 ist die Antwort für eine nicht vorhandene Adresse; diese Seite sollte Suchfeld und Links auf die wichtigsten Bereiche enthalten statt nur eine Entschuldigung.

Defekte Links findest du über den Bericht in der Search Console, über die Netzwerkansicht in den Entwicklerwerkzeugen und mit einem kostenlosen Crawler, also einem Programm, das deine Seite automatisch durchklickt und alle Antworten protokolliert.

Die Prüfliste als Tabelle

PrüfpunktZeitWomitGutes Ergebnis
Indexierung20 MinutenSearch Consolewichtige Seiten indexiert, Ausschlussgründe bekannt
robots.txt, noindex, Canonical20 MinutenBrowser, Quelltextkeine versehentliche Sperre, Canonical zeigt auf sich selbst
eine Domainfassung10 MinutenBrowserhttp und www leiten dauerhaft auf eine Fassung
Titel und Beschreibungen40 MinutenTabelle, Search Consoleje Seite ein eigener Titel, Thema im ersten Drittel
Überschriften20 MinutenQuelltextgenau eine H1, H2 beantworten Fragen
Ladezeit mobil40 MinutenMesswerkzeug mehrfach, eigenes HandyWerte wiederholbar, Felddaten im grünen Bereich
Bilder20 MinutenBrowser, Medienverwaltungkein Bild größer als nötig, Alternativtexte vorhanden
interne Links und Weiterleitungen30 MinutenCrawler, Search Consolekeine verwaisten wichtigen Seiten, keine Ketten

Vom Fund zur Reihenfolge: was du zuerst reparierst

Sortiere deine Fundliste nach zwei Fragen: Wie viele Seiten betrifft der Fehler, und wie viel Arbeit ist die Reparatur? Was viele Seiten betrifft und schnell geht, kommt zuerst. Das sind in der Praxis meistens Sperren, falsche Canonicals und fehlende Weiterleitungen. Danach Titel und Beschreibungen, weil sie direkt auf Klicks wirken. Ladezeit ist selten ein Handgriff und gehört als eigenes kleines Projekt geplant, zusammen mit Theme, Hosting und Bildern.

Wenn du vor dem ersten Durchgang einen Außenblick willst, nimm den Sichtbarkeits-Check von dato.marketing. Du trägst Firma, Ziel, Website und ein Social-Profil ein und bekommst kostenlos ein PDF mit Ladezeit, Auffindbarkeit bei Google, Sichtbarkeit in Antwortmaschinen, Technik und Inhalt, dazu drei Sofortmaßnahmen. Das ersetzt die Prüfliste nicht, sagt dir aber, in welcher Stunde du am meisten findest.

Alles, was dein Baukasten nicht hergibt, landet in der Webentwicklung. Und wenn du den Vormittag lieber abgibst, statt ihn zu blocken, ist der Rahmen dafür in unseren Paketen beschrieben.

Häufige Fragen

Brauche ich bezahlte Werkzeuge für diese Prüfung?

Nein. Search Console, Browser, ein kostenloser Crawler und dein Handy reichen für alle Punkte dieser Liste. Bezahlte Werkzeuge sparen Zeit, sobald deine Seite dreistellig viele Adressen hat, und sie liefern Verlaufsdaten. Finden tun sie nichts, was du nicht auch findest.

Wie oft gehört so eine Prüfung gemacht?

Einmal im Quartal und zusätzlich nach jedem Eingriff, der die Struktur betrifft: Relaunch, Umzug, neues Theme, neue Sprachversion, gelöschte Seiten. Nach einem Livegang ist der Tag danach der wichtigste Termin, weil Sperren aus der Bauphase dort noch aktiv sind.

Was bedeutet es, wenn ich fast nichts gefunden habe?

Dass deine Technik in Ordnung ist und dein Thema woanders liegt, nämlich bei Inhalten und Nachfrage. Der nächste Schritt ist dann Keyword-Arbeit und eine Seite je Frage, die deine Kunden wirklich stellen, nicht weitere Technikpunkte.

Fazit

Eine gute SEO-Prüfung ist keine Wissenschaft, sondern eine Reihenfolge. Erst klären, ob Google deine Seiten überhaupt aufnehmen darf, dann Titel und Struktur, dann Geschwindigkeit, dann Links und Weiterleitungen. Vier Stunden, eine Tabelle, jede Zeile mit Datum und Aufwand. Wer das zweimal im Jahr macht, braucht keine Rettungsaktion nach dem nächsten Relaunch.