Im Großformat bestimmt der Betrachtungsabstand alles: die Auflösung der Bilddaten, die Schriftgröße, die Menge an Text und sogar das Material. Wer ein Plakatmotiv einfach vergrößert, produziert ein teures Stück Plane, das aus zehn Metern niemand lesen kann.
Dieser Beitrag enthält die Rechnungen, die wir vor jedem Banner aufmachen, und die Verarbeitungsmaße, die in der Datei berücksichtigt sein müssen, Saum, Ösen, Sicherheitsabstände, Materialwahl. Alles davon lässt sich vorher festlegen; nichts davon lässt sich nachträglich korrigieren. Wie wir solche Produktionen begleiten, steht auf unserer Seite zu Grafik- und Motion-Design.
Der Kern in einem Satz
Im Großformat wird jede Gestaltungsentscheidung aus dem Betrachtungsabstand abgeleitet: Er legt fest, wie viele Bildpunkte je Zentimeter nötig sind, wie hoch die Versalhöhe sein muss und wie viele Wörter überhaupt gelesen werden können.
Alles beginnt beim Betrachtungsabstand
Bevor gestaltet wird, wird abgeschätzt, aus welcher Entfernung Menschen das Motiv sehen. Ein Roll-up im Foyer steht bei einem bis zwei Metern. Ein Bauzaunbanner am Gehweg wird aus drei bis acht Metern gelesen. Eine Bühnenrückwand sehen die meisten aus zehn bis dreißig Metern. Eine Gerüstplane an der Fassade oft aus fünfzig.
Dazu kommt die Zeit. An einer Straße mit Tempo fünfzig bewegt sich ein Auto knapp vierzehn Meter in der Sekunde; das Sichtfenster auf ein Banner liegt bei zwei bis drei Sekunden. Das begrenzt die Botschaft auf fünf bis sieben Wörter, unabhängig davon, wie viel Platz auf der Plane wäre.
Auflösung: wie wenig wirklich reicht
Die 300 dpi aus dem Kleinformat sind im Großformat weder nötig noch sinnvoll, eine Fassadenplane mit 300 dpi wäre eine Datei, die kein Rechner mehr öffnet. Die Auflösung richtet sich nach der Entfernung, weil das Auge aus der Distanz ohnehin nicht mehr auflöst.
| Betrachtungsabstand | Auflösung in Endgröße | Typische Anwendung | Material |
|---|---|---|---|
| unter 1 m | 150 dpi | Theke, Aufsteller, Fensterfolie | Folie, Hohlkammerplatte |
| 1 bis 3 m | 100 dpi | Roll-up, Messewand | Textilbanner, Folie |
| 3 bis 8 m | 50 bis 72 dpi | Bauzaunbanner, Eingangsbanner | PVC-Plane oder Netzgewebe |
| 8 bis 20 m | 25 bis 35 dpi | Bühnenrückwand, Hallenbanner | Textil mit Keder |
| über 20 m | 15 bis 20 dpi | Gerüstplane, Gebäudefläche | Netzgewebe |
Wichtig: Diese Werte gelten für Fotos und andere Pixeldaten. Logos, Schrift und Flächen werden als Vektoren angelegt und sind damit von der Rechnung ausgenommen, sie bleiben in jeder Größe scharf. Deshalb landet ein Logo nie als Bilddatei von der Website im Großformat.
Daten im Maßstab anlegen
Für große Formate legen wir die Datei verkleinert an und rechnen die Auflösung entsprechend hoch. Eine Datei im Maßstab 1:10 mit 300 dpi entspricht 30 dpi in Endgröße, das reicht für alles ab etwa acht Metern Abstand. Für ein Bauzaunbanner mit fünf Metern Abstand brauchst du rund 60 dpi in Endgröße, also entweder 1:10 mit 600 dpi oder 1:4 mit 240 dpi.
Der Maßstab gehört in den Dateinamen und in die Mail an die Druckerei. Ein häufiger Produktionsfehler ist eine Datei im Maßstab 1:10, die jemand in Originalgröße gedruckt hat oder umgekehrt.
Schriftgröße: die Rechnung, die du wirklich brauchst
Für komfortables Lesen rechnest du rund einen Zentimeter Versalhöhe je Meter Betrachtungsabstand. Die absolute Erkennbarkeitsgrenze liegt bei etwa einem Zentimeter je fünf Meter, und dort werden nur noch kurze, bekannte Wörter erfasst, für einen Ortsnamen reicht das, für eine Erklärung nicht.
Zum Umrechnen: Ein Zentimeter Versalhöhe entspricht grob vierzig Punkt Schriftgrad. Ein Bauzaunbanner mit fünf Metern Abstand braucht also mindestens fünf Zentimeter Versalhöhe für die Hauptzeile, das sind rund 200 Punkt. Eine Bühnenrückwand für zwanzig Meter braucht zwanzig Zentimeter. Zusatzangaben wie Datum und Ort setzt du auf die Hälfte der Hauptzeile, aber nie unter zwei Zentimeter.

Wie viel Text auf ein Banner passt
Weniger als alle denken. Eine Hauptzeile, eine Zusatzzeile, ein Absender. Eine Aufzählung von sechs Programmpunkten auf einem Bauzaunbanner ist verlorene Fläche.
Die Gegenprobe dauert zehn Sekunden: Motiv auf zehn Zentimeter Breite ausdrucken und aus einem Meter Entfernung ansehen. Was da nicht lesbar ist, wird auch am Zaun nicht lesbar. Welche Schriftschnitte dafür überhaupt taugen, keine feinen Serifen, keine Haarlinien, steht im Beitrag zu Schriften für Marken.
Material: Plane, Netzgewebe, Textil
Die blickdichte PVC-Plane liegt bei etwa 440 bis 550 Gramm je Quadratmeter und ist der Standard für Bauzäune und Fassaden, wenn Wind keine Rolle spielt. Netzgewebe wiegt rund 270 bis 340 Gramm, hat etwa dreißig Prozent offene Fläche und lässt Wind durch. Blockout-Material mit 600 Gramm und mehr ist beidseitig bedruckbar, ohne dass das Rückseitenmotiv durchscheint.
Für Messe und Bühne nehmen wir Textilbanner aus Polyestergewebe mit rund 200 bis 260 Gramm. Sie sind matt, spiegeln unter Scheinwerfern nicht und lassen sich knickarm transportieren.
Windlast: warum Netzgewebe kein Kompromiss ist
Eine geschlossene Plane auf einem freistehenden Bauzaun wirkt wie ein Segel. Bei Böen kippen ganze Zaunfelder, und zwar in Richtung Gehweg. Netzgewebe reduziert die Angriffsfläche deutlich, weshalb viele Zaunverleiher es für großflächige Bedruckung vorschreiben. Welche Ballastierung oder Abstützung nötig ist, gibt der Verleiher oder eine Statik vor, das ist keine Gestaltungsfrage.
Gestalterisch hat Netzgewebe Folgen: Die Farbe wirkt heller und matter, weil der Untergrund durchscheint. Wir legen Motive für Mesh deshalb gesättigter an, verzichten auf Verläufe, halten Strichstärken über drei Millimeter und setzen keinen Text unter zwei Zentimeter Versalhöhe. Warum sich Farbwerte je Material unterscheiden, steht im Beitrag zu den Markenfarben.
Saum, Ösen, Beschnitt: die Verarbeitung
Banner bekommen einen umlaufenden Saum von drei bis fünf Zentimetern, der umgeschlagen und verschweißt wird. Die Ösen sitzen etwa eineinhalb bis zwei Zentimeter von der Kante, haben zehn bis zwölf Millimeter Innendurchmesser und stehen im Standard alle fünfzig Zentimeter, an exponierten Stellen alle fünfundzwanzig bis dreißig. In jede Ecke gehört eine Öse.
Daraus folgt der Sicherheitsabstand: Mindestens zehn Zentimeter, besser fünfzehn, bleiben rundum frei von Schrift und Logos. Alles, was näher an der Kante liegt, verschwindet im Saum oder wird von einer Öse durchstanzt. Bei Kedersystemen kommt zusätzlich eine umlaufende Zugabe von drei bis fünf Zentimetern dazu, weil der Kedersaum im Rahmenprofil sitzt; bei Hohlsäumen für Stangen sind es zehn bis zwölf Zentimeter je betroffener Seite.
Deshalb steht in jeder Anfrage, ob das genannte Maß das Fertigmaß ist und ob die Datei mit oder ohne Zugabe kommt. Diese Zeile verhindert die meisten Reklamationen, wo solche Festlegungen dokumentiert werden, steht im Beitrag zum Corporate Design Manual.
Farbe im Großformat
Gedruckt wird in CMYK, je nach Anlage mit Latex-, UV- oder Lösemitteltinte. Sonderfarben nach Pantone oder HKS werden dabei angenähert, nicht getroffen, bei kräftigem Grün oder Orange wird deshalb ein Andruck auf dem echten Material nötig. Der kostet einen Tag und rettet die ganze Serie.
Der Gesamtfarbauftrag ist bei den meisten Großformatanlagen begrenzt, tiefes Schwarz lässt sich also nicht beliebig mit Unterfarbe aufbauen; den zulässigen Wert nennt die Druckerei. Große einfarbige Flächen zeigen Materialunterschiede stärker als gemusterte, weshalb wir bei Bahnenstößen keine glatte Fläche über die Naht führen.

Bühnen und Pressewände: was verdeckt wird
Auf einer Bühnenrückwand sind die unteren achtzig bis hundert Zentimeter verloren. Dort stehen Monitore, Kabelwege, Instrumente und Menschen. Alles Wichtige beginnt darüber, und die Mitte der Fläche bleibt frei, weil dort in der Regel jemand steht.
Bei Pressewänden ist die Rechnung eine andere: Übliche Maße liegen bei 2,4 mal 2,4 Metern oder 3 mal 2,25 Metern, und ein Kameraausschnitt mit einer Person zeigt davon etwa 1,2 Meter Breite. Das Logoraster muss also so dicht und versetzt angelegt sein, dass in jedem beliebigen Ausschnitt mindestens zwei vollständige Logos sichtbar sind. Einzelne Logos über etwa 25 Zentimeter Breite sind kontraproduktiv, weil dann nur noch eines ins Bild passt. Wie unterschiedlich große Fremdlogos dabei auf eine optisch gleiche Wirkung gebracht werden, ist Handarbeit, dazu passt der Beitrag zu Logo und Corporate Identity.
QR-Codes und Kleingedrucktes
Für QR-Codes gilt als Faustregel: Die Lesedistanz beträgt etwa das Zehnfache der Kantenlänge. Wer aus anderthalb Metern scannen soll, braucht also rund fünfzehn Zentimeter Kantenlänge, plus eine freie Ruhezone rundherum. Auf einer Bühnenrückwand oder einer Fassadenplane hat ein QR-Code deshalb nichts verloren.
Kleingedrucktes folgt derselben Logik: Was aus dem geplanten Abstand nicht lesbar ist, gehört nicht aufs Banner. Bei Veranstaltungen wandern solche Angaben auf Flyer und Programm und die entstehen aus demselben Baukasten, siehe unseren Beitrag zum Vorlagensystem.

Die häufigsten Fehler
- Daten in RGB geliefert. Die Anlage rechnet dann selbst um, und das Ergebnis sieht bei jedem Auftrag anders aus.
- Logo als Bilddatei von der Website. Auf zwei Meter Breite gezogen bleibt davon ein Pixelrand übrig.
- Text bis an die Kante. Saum und Ösen fressen zehn Zentimeter, und die Telefonnummer ist halbiert.
- Geschlossene Plane am freistehenden Zaun. Ein Sicherheitsthema, kein Gestaltungsthema.
- Zu viele Botschaften. Aus fünf Metern gewinnt immer die größte Zeile, der Rest ist Dekoration, ähnlich wie bei Anzeigen-Creatives.
Materialwahl, Maße und Termine klären wir vor der Gestaltung, dafür reicht ein Erstgespräch. In welchem Rahmen wir Produktionen begleiten, zeigen unsere Pakete; wie wir Veranstaltungsreihen vorab durchplanen, steht unter Konzeption und Strategie. Womit wir bisher gearbeitet haben, siehst du Über uns.
Häufige Fragen
Welche Auflösung braucht ein Bauzaunbanner?
50 bis 72 dpi in Endgröße reichen bei drei bis acht Metern Betrachtungsabstand. Praktisch legt man die Datei verkleinert an: im Maßstab 1:10 mit 600 dpi oder im Maßstab 1:4 mit 240 dpi. Logos und Schrift gehören als Vektoren hinein und sind von dieser Rechnung ausgenommen.
Wie groß muss die Schrift auf einem Banner sein?
Rund ein Zentimeter Versalhöhe je Meter Betrachtungsabstand für komfortables Lesen. Bei fünf Metern Abstand sind das fünf Zentimeter für die Hauptzeile, umgerechnet etwa 200 Punkt Schriftgrad. Zusatzangaben liegen bei der Hälfte, aber nicht unter zwei Zentimetern.
Wann brauche ich Netzgewebe statt einer geschlossenen Plane?
Immer dann, wenn das Banner frei im Wind steht, besonders auf mobilen Bauzäunen und an Gerüsten. Netzgewebe lässt Wind durch und verringert die Angriffsfläche. Die verbindliche Vorgabe zu Befestigung und Ballast macht der Zaunverleiher oder eine Statik.
Wie viel Abstand muss ich zur Bannerkante einhalten?
Mindestens zehn Zentimeter, besser fünfzehn, rundum frei von Schrift und Logos. Saum und Ösen beanspruchen diesen Bereich. Bei Kedersystemen kommen drei bis fünf Zentimeter Zugabe dazu, bei Hohlsäumen für Stangen zehn bis zwölf Zentimeter je Seite.
Fazit
Beginn jedes Großformat mit zwei Zahlen: Betrachtungsabstand und Fertigmaß. Aus dem Abstand ergeben sich Auflösung, Versalhöhe und die Anzahl der Wörter, aus dem Fertigmaß ergeben sich Sicherheitsabstand, Saum und Ösenteilung. Wenn diese vier Werte vor dem ersten Entwurf feststehen, ist der Rest gestalterische Arbeit und keine Rettungsaktion drei Tage vor dem Aufbau.
Über den Autor: Levin Görsoy ist Gründer und CEO von dato.marketing, einer Full-Service-Marketing-Agentur aus Berlin. Mit seinem Team hat er über 46 Projekte produziert und mehr als 1 Million organische Views für Kundenkanäle aufgebaut. Mehr über seinen Werdegang findest du im Lebenslauf von Levin Görsoy.
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